quEAR! – das Trans*tonale Ohrenfest ist ein queeres Audiofestvial, das Hörstücke, Audioperformances und Klanginstallationen zu Gehör bringt, die sich mit den Themen Trans*, Inter und Queer Intervention befassen, und veranstaltet Workshops rund um Audio. quEAR! ist eine sensible Erkundung der Gehörgänge, mit Geräuschen, Stimmen, Klängen und natürlich mit Geschichten.

quEAR! ist eine Wortschöpfung aus queer und ear bzw. hear!. Wobei queer hier nicht als Synonym für „schwul-lesbisch“ steht, sondern als offene Handlungsanweisung, die sehr viel mehr beinhaltet als die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität der Einzelnen. Queer bezeichnet die Abweichung von der Norm und die damit verbundene Herausforderung und Infragestellung der Grenzen, die von der Mehrheitsgesellschaft gesetzt werden. queer ist für uns auch eine Utopie, nicht im bürgerlichen Sinne von Weltfremdheit, sondern im Sinne eines Ortes, der nicht ist, den es noch nicht gibt, der aber benannt werden kann und den es unentwegt zu schaffen gilt.

Das Festival möchte dazu ein Forum schaffen für den künstlerischen und politischen Austausch über Audio. Es möchte Leute animieren, Audio als Werkzeug zu benutzen, um in heterosexistische, transphobe, rassistische und kapitalistische Verhältnisse zu intervenieren.

Das Medium Audio, das wir auf diesem D.I.Y. Festival in den Mittelpunkt stellen, ist für die Thematisierung von trans*, inter und queeren Themen, Lebensweisen, Praktiken und Politiken noch unterrepräsentiert. Das Festival will deshalb Möglichkeiten aufzeigen, wie es in seiner Vielgestaltigkeit eingesetzt werden kann, um künstlerisch und politisch aktiv zu werden. Die Aufforderung zu hören (quEAR!), setzt auf die Autonomie der eigenen Bilder, die beim Hören entstehen. Wir wollen aufzeigen wie breit und wichtig die Möglichkeiten sind und in welcher Hinsicht der Schwerpunkt auf Audio dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderung zu bewirken.

Wir möchten mit dem Festival dieser eher leisen Form des Aktivismus Raum geben und in Workshops die Möglichkeit bieten, sich darin auszuprobieren. quEAR! ist auf diese Weise ein Ort der politischen und künstlerischen Auseinandersetzung, des Austauschs und Empowerments. Es will in dieser neuartigen Form einerseits die Besonderheit, Wirkmächtigkeit und Schönheit von Audio präsentieren, andererseits sollen queere Perspektiven in der Audio-Landschaft wachsen und vielfältiger werden.

quEAR! fand zum ersten Mal vom 5.-7. 8. 2011 auf dem Gelände des queeren Bauwagenplatzes Schwarzer Kanal statt. In den über 50 Hördarbietungen ging es u.a. um den Kampf von LSBTI-Aktivist_innen in verschiedenen Teilen der Welt, um Polizeigewalt gegen People of Colour, um die Rechte von Intersexuellen, um die Geschichte der Verfolgung homosexueller Männer in Deutschland, um die Situation von Flüchtlingen in Europa und auch um feministische Körperpolitik. Während der drei Tage des Festivals kamen rund 1.000 Besucher_innen. An den Workshops, unter anderem zu Radiomachen, Queering der Stimme, Audio-Schnittsoftware, freier Radioszene und Gewaltfreier Kommunikation, nahmen über 100 Personen aktiv teil. Über das Festival hinaus wirken wir seitdem im „Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen“ mit.